Artikel Julian König: Tea Time mit der Queen

Ottensen -

Die Stoppuhr klingelt, drei Minuten 20, auf die Sekunde exakt. Jörg Schröder nimmt den Teebeutel aus einer antiken Kanne und serviert den Earl Grey einem Gast des „Eaton Place“, der neuen Heimat für Fans britischer Tee-Zeremonien. In Ottensen hat der 49-Jährige mit Antonio da Silva (49) seinen Lebenstraum verwirklicht.

Wenn Elton John, Rosamunde Pilcher und Willy Wonka gemeinsam ein Lokal betreiben würden, es wäre optisch wohl nah dran an dem Tearoom, der Ende Mai an der Bahrenfelder Straße eröffnet hat. Zweieinhalb Jahre haben die beiden Freunde an dem Konzept gearbeitet, echte Windsor Chairs gesucht, Tee-Mischungen und Kuchenrezepte verfeinert, sich in Details verloren – selbst die Tapeten stammen von dem Hoflieferanten der Queen.

Englischer Adel ist seine Leidenschaft

Wenn Schröder durch Bücher mit Fotos und Geschichten des britischen Königshauses blättert, dann erinnert sein Lächeln an die Freude eines Jungen, der zum Geburtstag statt eines Puzzles doch das erhoffte BMX-Rad bekommen hat. „Der englische Adel ist meine Leidenschaft“, sagt er.

Und weil Schröder eigentlich alles rund um das Commonwealth innig liebt, läuft der ehemalige Personalentwickler nun mit einer rot-weiß-blau gestreiften Krawatte umher und serviert Earl-Grey-Variationen. Namenspate für den Laden ist die 70er-Jahre-TV-Serie „Das Haus am Eaton Place“.

Englische Geschäfte haben in Hamburg Tradition. Einst versorgte „Sweet Suburbia“ die Ottenser mit feinen Leckereien, diese bekommt man nun bei „Kittel’s“ am Lehmweg. An der Stresemannstraße gibt es Original-Literatur im Antiquariat von Robert Berridge.

Die Idee hatte er in Rom

Die Idee, sich selbstständig als Gastronom zu versuchen, entwickelte Schröder nicht in London oder York, sondern in Rom. Unweit der Spanischen Treppe entdeckte er vor zehn Jahren „Babington’s Tea Room“, ein britisches Teehaus. „Beim Betreten war ich in einer anderen Welt“, erinnert er sich. Dieses Gefühl wollte er in seine Heimatstadt transportieren.

Schröder stellt sich vor eine rote Uniform, die eingerahmt an einer Wand hängt. Ein Antikhändler habe sie ihm besorgt, sagt er. „Original aus dem Jahr 1965. Gehörte einer Leibgarde. Die wollte ich unbedingt haben.“ Er liebt den georgischen Stil, elegant, nicht pompös, etwas verspielt. „Auch die Kissen werden gut angenommen“, sagt Schröder und deutet auf Accessoires mit Hunde-Aufdrucken, die definitiv dem Wort Kitsch eine neue Bedeutung geben.







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